Teppichlexikon
Ein verständlicher Ratgeber zu Aufbau, Materialien, Knüpfung, Knotendichte, Mustern und Herkunft von Orientteppichen.
Orientteppiche verstehen statt nur betrachten
Ein Orientteppich lässt sich an vielen Merkmalen lesen. Material, Knüpftechnik, Rückseite, Flor, Muster und Herkunft geben Hinweise darauf, wie ein Teppich hergestellt wurde und wodurch sich verschiedene Teppicharten voneinander unterscheiden.
Dieses Teppichlexikon ist als Nachschlagewerk aufgebaut. Es erklärt die wichtigsten Grundlagen Schritt für Schritt und verbindet Fachbegriffe mit Bildern aus der Praxis. Dabei geht es nicht darum, einen Teppich allein anhand eines einzelnen Merkmals zu bewerten. Erst das Zusammenspiel aus Material, Verarbeitung, Feinheit, Herkunft und Zustand ergibt ein aussagekräftiges Gesamtbild.
Wie ein handgeknüpfter Teppich aufgebaut ist
Kette, Schuss und Flor
Die Kette bildet das tragende Gerüst eines handgeknüpften Teppichs. Zwischen den längs verlaufenden Kettfäden werden die Knoten gesetzt. Schussfäden verlaufen quer und stabilisieren die einzelnen Knotenreihen.
Der Flor ist die sichtbare Oberfläche eines geknüpften Teppichs. Er entsteht aus den geknüpften Fasern, die nach dem Knüpfen geschnitten und geschoren werden. Je nach Teppich kann der Flor beispielsweise aus Wolle oder Seide bestehen.
Handgeknüpft oder handgewebt?
Die Begriffe werden häufig zusammen verwendet, beschreiben aber zwei grundsätzlich verschiedene Herstellungsarten.
Knoten für Knoten
Bei einem handgeknüpften Teppich wird der Flor aus einzelnen Knoten aufgebaut. Die Rückseite lässt die Struktur der Knüpfung erkennen und ist deshalb für die Beurteilung besonders aufschlussreich.
Bei handgeknüpften Teppichen werden Knoten um die Kettfäden gelegt. Zwischen den Knotenreihen stabilisieren Schussfäden die Konstruktion. Nach dem Knüpfen wird der Flor geschnitten und je nach Qualität unterschiedlich fein geschoren.
Flachgewebe ohne Flor
Bei Kelims werden Kett- und Schussfäden miteinander verwoben. Dadurch entsteht ein flaches Gewebe ohne geknüpften Flor.
Was die Knotendichte wirklich aussagt
Die Knotendichte beschreibt die Anzahl der Knoten auf einer bestimmten Fläche. Eine dichtere Knüpfung kann feinere Linien, kleinere Ornamente und detailreichere Übergänge ermöglichen.
Sie ist jedoch kein alleiniger Qualitätsmaßstab. Auch die verwendeten Fasern, die Gleichmäßigkeit der Knüpfung, die Farbgebung, die handwerkliche Ausführung, das Alter und der Zustand eines Teppichs müssen berücksichtigt werden.
Zwei Teppiche mit unterschiedlicher Knotendichte können deshalb beide hochwertig sein, obwohl sie eine völlig andere gestalterische und handwerkliche Wirkung besitzen.
Material beeinflusst Haptik, Glanz und Haltbarkeit
Die wichtigsten Materialien erfüllen im Teppich unterschiedliche Aufgaben. Entscheidend ist deshalb nicht nur das Material selbst, sondern auch, ob es im Flor, in der Kette oder im Schuss eingesetzt wird.
Wolle
Ein klassisches Flormaterial. Gute Wolle ist elastisch, griffig und verleiht dem Teppich eine warme, natürliche Oberfläche.
Seide
Sehr feine Faser mit charakteristischem Lichtspiel. Sie ermöglicht besonders detailreiche Zeichnungen und kann im Flor oder in der Grundstruktur vorkommen.
Baumwolle
Wird häufig für Kette und Schuss verwendet. Baumwolle schafft eine stabile, formbeständige Grundlage.
Handgesponnene Wolle
Kleine Unterschiede in Fadenstärke und Struktur sorgen für eine lebendige, bewusst weniger uniforme Oberfläche.
Viele Merkmale erkennt man erst am echten Teppich
Rückseite, Flor, Fransen, Material und Muster lassen sich am besten im direkten Vergleich verstehen. Erfahrung entsteht deshalb nicht nur aus Begriffen, sondern auch aus genauem Hinsehen und Anfassen.
Teppiche zwischen Werkstatt, Region und Handel
Orientteppiche entstanden in Städten, Dörfern und nomadisch geprägten Regionen. Handelswege und Basare sorgten dafür, dass Muster, Materialien und Knüpftechniken über große Entfernungen bekannt wurden.
Die wichtigsten Musterbegriffe
Zentrales Hauptmotiv eines Teppichs.
Wiederkehrendes Muster über die gesamte Fläche.
Blüten, Ranken, Palmetten und pflanzliche Motive.
Rauten, Sterne, Hakenformen und klare Linien.
Gliederung in einzelne Bild- oder Ornamentfelder.
Freie oder bewusst reduzierte Formensprache.
Teppichbegriffe von A bis Z
Die wichtigsten Grundbegriffe kompakt erklärt.
Allover
Flächenmuster ohne einzelnes dominierendes Zentrum.
Flor
Die sichtbare Faserschicht eines geknüpften Teppichs.
Fransen
Häufig die sichtbaren Enden der Kettfäden.
Handgeknüpft
Herstellung, bei der die Flor-Knoten von Hand gesetzt werden.
Handgewebt
Herstellung durch Verweben von Kette und Schuss.
Kelim
Traditionelles Flachgewebe ohne geknüpften Flor.
Kette
Längs gespannte Grundfäden des Teppichs.
Knotendichte
Anzahl der Knoten pro Flächeneinheit.
Medaillon
Zentrales Ornament innerhalb der Teppichkomposition.
Provenienz
Herkunftsregion oder traditionelles Knüpfzentrum.
Schuss
Quer verlaufende Fäden zur Stabilisierung der Konstruktion.
Unikat
Ein einzelnes, individuell ausgeführtes Teppichstück.
Materialien und Teppicharten am realen Beispiel vergleichen
Wer die beschriebenen Merkmale an konkreten Einzelstücken vergleichen möchte, findet bei externen Anbietern unterschiedliche Teppicharten, Materialien und Knüpfqualitäten. Beispiele bietet unter anderem Jakobson Carpets.